Unser Wetter und der Klimawandel – Teil eins

Die ersten Störche sind schon wieder da, im Februar, – eigentlich viel zu früh, wenn wir von einem normalen Jahr ausgehen. Normalerweise kehren sie nämlich erst Anfang April aus dem Süden zurück. – Aber seit Ende der 80er Jahre gibt es zunehmend mildere Winter bei uns. Das heißt, die Störche müssen nun nicht mehr unbedingt bis Afrika flliegen, um günstige Überwinterungsbedingungen vorzufinden, sondern überwintern zunehmend in Spanien oder Südfrankreich. Und von dort aus ist der Heimweg natürlich wesentlich kürzer. Und wenn sie auf der gesamten Strecke bis zu uns hin schon Ende Februar grüne Wiesen und Felder und ausreichend Nahrung vorfinden, warum sollen sie dann nicht früher kommen. – So passt die Natur sich an, in jeder Beziehung. In nicht allzu ferner Zeit werden die Störche wahrscheinlich gar nicht mehr wegfliegen, sondern bei uns überwintern, wie zur Zeit schon die ersten Kraniche.

Natürlich fragen sich auch viele:“Wie wird das werden mit dem Klimawandel in meinem Gebiet? Was ändert sich? Worauf muss ich mich einstellen?“ Und für die Landwirtschaft ist die weitere Entwicklung des Klimas natürlich besonders interessant, weil es viele gravierende Änderungen besonders im Ackerbau geben wird, wenn die natürlichen Bedingungen sich ändern.

Diese Fragen habe ich mir auch gestellt und versucht, anhand langfristiger Wetterdaten und eigener Beobachtungen einige Antworten darauf zu finden.

1. Wie entwickeln sich die Temperaturen?

Alle Wetterdaten, die ich hier verwende, sind Meßwerte des DWD für die Wetterstation Schwerin. Für diese Station liegen tägliche Wetterdaten vom 1. 1. 1890 bis heute vor, also von mehr als 110 Jahren. Es fehlen lediglich Meßdaten aus folgenden Zeiträumen: November 1893, März – Dezember 1899, April – Dezember 1935 sowie von Januar 1942 bis Juni 1946.

Wie haben sich denn nun die Temperaturen in diesem langen Zeitraum entwickelt?
Das zeigt das folgende Diagramm:

Jahresdurchschnittstemperaturen von 1890 bis 2007

Entwicklung der Jahresdurchschnittstemperaturen für die Region Schwerin von 1890 bis heute

Während die jährlichen Durchschnittstemperaturen fast 100 Jahre lang im Bereich zwischen 7 und 9,5 °C hin- und her schwankten, findet man sie seit Ende der 80er Jahre bevorzugt im Bereich zwischen 9 und 10 °C. Der Trend zeigt klar nach oben. Seit ca. 1988 ist ein deutlicher Temperaturanstieg zu verzeichnen. Es wird wärmer, und zwar immer schneller. Die Tier- und Pflanzenwelt muss sich anpassen, ebenso wir Menschen. Und das wird manchmal nicht einfach.

Noch ein paar Fakten:

Bisher gab es seit 1890 11 mal Februare mit einer Monatsdurchschnittstemperatur von mehr als +4 °C (langjähriges Mittel von 1961 – 1990 ist + 0,3 °C). Das war in folgenden Jahren:

1895 5,19 °C
1914 4,41 °C
1925 4,09 °C
1961 4,38 °C
1989 4,27 °C
1990 6,08 °C
1995 4,42 °C
1997 4,17 °C
1998 5,44 °C
2000 4,29°C
2002 4,99 °C

Sieben von diesen 11 warmen Februaren liegen in den letzten 20 Jahren und nur vier in den 100 Jahren vorher. Das ist bezeichnend. Die Winter werden insgesamt milder. Auch der Februar 2008 wird sich mit einer Durchschnittstemperatur von ca. + 4 °C hier einreihen.

Nun interessiert sicherlich, mit was für einem März können wir nach diesem milden Winter rechnen? Wird es richtig warm oder verhalten oder kalt? Was sagt die Statistik denn dazu?

Die langjährige Durchschnittstemperatur vom März für Schwerin beträgt 3,2 °C (1961 -1990). Nun könnte man denken, wo der Januar und der Februar 2008 doch schon wieder fast 4 °C überm langjährigen Durchschnitt lagen, sollte das für den März erst recht kein Problem sein – wo doch alles schon so schön angewärmt ist! – Das stimmt aber leider meist nicht. Die Märztemperaturen nach warmen Februarmonaten lagen meist kaum höher als der Februar selbst. Im Einzelfall war es sogar deutlich kälter. Irgendwie scheint sich die alte Volksweisheit zu bewahrheiten: „Grüne Weihnachten – weiße Ostern!“ Und außerdem wirkt in dieser Region wahrscheinlich auch der maritime Einfluss der Ostsee noch recht stark, die sich erst noch erwärmen muss.
Ich rechne jedenfalls damit, dass der Frühling eher zögerlich bei uns Einzug hält und langsam kommt. Wahrscheinlich wird die durchschnittliche Märztemperatur bei 4 – 6 °C liegen und uns damit schon einige schöne, aber überwiegend noch recht kühle Tage und auch noch ein paar Nachtfröste bescheren.

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar:

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