Schlechte Rapsernte 2016 – was hat dem Raps geschadet? – Fortsetzung

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Schlechte Rapsernte 2016 – was hat dem Raps geschadet?

Fortsetzung:

5. Die Dezembertemperaturen brachen  alle Rekorde: mit einer Monatsdurchschnittstemperatur von + 7,1 °C war der Dezember 2015 mit Abstand der Wärmste seit Beginn der Messungen 1890 (für den Standort Schwerin). Die durchschnittliche Dezembertemperatur liegt hier normalerweise bei + 1,3 °C. Damit lag der Dezember 2015 fast 6 °C über dem langjährigen Durchschnitt und entsprach damit einem durchschnittlichen April (ebenfalls Monatsdurchschnittstemperatur von 7,1 °C). Das hatte zur Folge, dass die Winterkulturen voll im Wachstum standen und nicht im geringsten abgehärtet waren.

6.  Im Januar kam dann der Schock: Vom 3. bis zum 7. Januar 2016 sanken die Tagestemperaturen von + 10°C abrupt auf ca. – 8°C im Bereich Schwerin ab (das bedeutete hier Temperaturminima von – 11 °C, im Osten noch um einiges tiefer!) (siehe untenstehendes Diagramm). Und es lag kein Schnee.
Dadurch gab es zwar in Nordwestmecklenburg kaum wirkliche Auswinterungsschäden beim Raps außer bei der Sorte Penn, aber mit Sicherheit gab es in größerem Maße Zellschäden durch den Kahlfrost, da die Pflanzen voll im Saft standen. In Vorpommern dagegen führten die noch stärkeren Kahlfröste zu erheblichen Auswinterungsschäden bei Raps und Wintergetreide.
Vom 17. bis 23. Januar gab es eine zweite Kältewelle, bei der glücklicherweise aber eine dünne Schneedecke auf den Äckern lag, die größere Schäden verhinderte. Während nach der Schneeschmelze Ende Januar doch eine Reihe von i. d. Regel früher gesäten Weizenbeständen plötzlich braun aussahen und doch einige Frostschäden erlitten hatten, präsentierte sich der Raps in sattem Grün.

Tagestemp-101215-bis-090116

7. Ende Februar/Anfang März konnte man landauf landab beobachten, dass viele Rapsbestände eine starke Anthozyanfärbung annahmen. Die Ursachen lagen hauptsächlich an den hohen Niederschlägen im Februar, die zu einer starken Wassersättigung der Böden und damit zu Sauerstoffmangel im Wurzelbereich führte. Außerdem sorgten niedrige Temperaturen dafür, dass kaum Wachstum erfolgen konnte. Da die Pflanzen trotz dieser ungünstigen Wachstumsbedingungen natürlich weiterhin ihre Photosynthese durchführten, stauten sich die Assimilationsprodukte in den Blättern und verfärbten sie violett (siehe Foto). Erst Ende März hatte der Raps dieses Problem überwunden und grünte wieder durch. Da Blattwachstum und gleichzeitig die Anlage der Ertragsorgane  im Frühjahr entscheidend für die Ertragsbildung sind, dürfte hier eine weitere Ursache für die schwachen Erträge liegen.

starke Violettfärbung vieler Rapsbestände im Februar 2016

8. Besonders in Vorpommern, das ohnehin schon unter starken Auswinterungsschäden litt, schlug dann auch noch eine langanhaltende Frühjahrstrockenheit zu, die die Ertragsaussichten weiter verschlechterte.

9. Gebietsweise trat im Mai/Juni ein sehr starker Befall mit Kohlschotenrüsslern und Kohlschotenmücken auf, der in vielen Rapsbeständen zusätzlich deutliche Schäden  anrichtete. Erschwerend kam das sehr plötzliche und kurzfristige Anwendungsverbot von Biscaya in der Blüte hinzu, das eine wirksame Bekämpfung dieser Schaderreger in den Resistenzgebieten Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins unmöglich machte.

Fazit: Die ungewöhnlich niedrigen Rapserträge in diesem Jahr sind auf eine ganze Reihe von ungünstigen Faktoren zurückzuführen. Einen wesentlichen Einfluss hatte dabei die Witterung, die das Wachstum und die Entwicklung der Pflanzenbestände auf mehrfache Weise ungünstig beeinflusst hat.

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