Raps ohne Schoten – was ist los?

Anfang Mai- und auch heute Kaiserwetter wie fast jeden Tag seit Ende März. Regen fiel in der ganzen Zeit nur sehr  vereinzelt als gelegentlicher Schauer hier und da. Wer im April mehr als 5 mm Regen bekommen hat, kann sich glücklich schätzen. Nordwestmecklenburg entwickelt sich wettermäßig allmählich zur perfekten Urlaubsregion. Nur für die Landwirtschaft bringt die Trockenheit natürlich mittlerweile große Probleme mit sich. Auf den leichten Böden sind bereits ernsthafte Trockenschäden und Ertragsverluste in allen Winterkulturen zu verzeichnen. Auf den mittleren Böden gerät vor allem das Getreide jetzt unter akuten Trockenstress. Lediglich die besseren Standorte können der Trockenheit noch eine Weile die Stirn bieten.
Foto unten: Winterweizen Sorte Biscay (Direktsaat) zeigt auf 40er Böden bereits akuten Trockenstress
Trockenschäden in der Sorte Biscay (Direktsaat) auf 40er Boden
Als auffällig stressresistent unter allen Bedingungen (als Direktsaat, nach Weizenvorfrucht, auf leichteren Standorten) erweist sich in diesem Jahr die relativ neue A-Weizensorte Discus, die seit dem letzten Jahr in unserer Region verstärkt im Anbau ist.
Foto unten: Winterweizen Sorte Discus (Direktsaat, ca. 40 Bodenpunkte) hält in diesem Jahr von allen Weizensorten mit am besten durch und zeigt auch unter ungünstigen Anbaubedingungen bisher kaum Stress.
WW Sorte Discus kommt gut mit der Trockenheit zurecht.
Aufgrund des warmen und sehr sonnenscheinreichen Wetters der letzten 4 Wochen haben die Kulturen inzwischen gut 2 Wochen Vegetationsvorsprung. Wintergerste und Winterroggen beginnen jetzt bereits mit dem Ährenschieben, der frühe Winterweizen wird in der kommenden Woche das Fahnenblatt spitzen (EC 37). Die ersten Rapsbestände befinden sich in der Vollblüte, mit der Rapsblütenspritzung gegen Sklerotinia wurde begonnen.
Aaaaber….. der Raps hört in diesem Jahr einfach nicht auf, uns Probleme zu bereiten:
Schon seit geraumer Zeit habe ich einige kleine Rapsschläge auf leichteren Standorten beobachtet, die kaum vernünftige Knospen bildeten , sondern nur kümmerliche gelbliche Miniknospen, die bald verbräunten und dann abfielen, ohne Schoten zu bilden (siehe Foto unten):
Physiologische Knospenwelke im Raps
Dazu kamen dann oft noch die Probleme mit den Rapsglanzkäfern und deren schwierige Bekämpfung. Und nun sehen diese Rapsbestände so aus (siehe Foto unten):
kaum Schotenbildung aufgrund von physiologischer Knospenwelke beim Raps
Viele Rapspflanzen bilden kaum Schoten. Und leider ist dieses Problem mittlerweile nicht mehr auf einige kleine, sandige Ecken begrenzt, sondern ich habe dieses Phänomen inzwischen schon aus einigen Regionen Deutschlands und auch von guten Böden gehört. Selbst bei einigen Beständen, die gute Knospen ausgebildet hatten, verbräunen diese jetzt und fallen einfach ab.
Was steckt nun dahinter?
„Schuld daran“ ist in erster Linie, dass der Raps während seiner Frühjahrsentwicklung keinen Stress haben mag. Zum Beispiel kann er gar nicht leiden, wenn auf eine feucht-kalte ganz plötzlich eine trocken-warme Witterungsperiode folgt, so wie es bei uns um die Monatswende März/ April der Fall war. Auf die damit verbundenen Schwankungen in der Wasser- und Nährstoffversorgung reagiert er dann mit mangelnder Knospenausbildung und späterem Knospenabwurf. Dieses Phänomen nennt man physiologische Knospenwelke.
Möglicherweise haben in einigen Gebieten auch die Fast-Kahlfröste im Februar einen Anteil an der schlechten Schotenbildung in einigen Beständen.
Es ist zu beobachten, dass die physiologische Knospenwelke auf den besseren Böden in Ostseenähe so gut wie nicht auftritt (wenig Stress!) und mit abnehmender Bodengüte und/ oder zunehmendem Kontinentalklima häufiger wird. Außerdem scheint es Sortenunterschiede zu geben. Es muss weiter beobachtet werden, wie sich der Schotenansatz an den Nebentrieben entwickelt. Für Umbruchentscheidungen ist es meist noch zu früh, weil der Raps z.B. durch guten Schotenansatz an den Seitentrieben, eine höhere Kornzahl je Schote und/oder ein höheres TKG  vieles wieder kompensieren kann.
Und noch eines zum Schluss: In den letzten Tagen ist der Kleine Graue mit dem Rüssel wieder vermehrt in die Rapsbestände eingeflogen. Der Bekämpfungsrichtwert von 1 Käfer je 2 Pflanzen wird inzwischen oft überschritten.Foto unten: Kohlschotenrüssler
Kohlschotenrüssler im Raps

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