Plötzlicher Kälteeinbruch – Gibt es Auswinterungsschäden?

Das neue Jahr ist noch ganz frisch, und schon bringt es der Landwirtschaft die ersten Scherereien. Ein plötzlicher Kälteeinbruch Anfang Januar nach diesem mildesten Dezember seit Beginn der Wetteraufzeichnungen macht den Winterkulturen schwer zu schaffen. Wie gut sie durch diesen Winter kommen werden, kann man jetzt natürlich noch nicht sagen, denn der richtige Winter hat ja gerade erst angefangen. Aber wie haben Raps und Wintergetreide diesen ersten Kälteschock verkraftet? Dazu erstmal ein paar grundsätzliche Dinge:
  1. Mit Auswinterungsschäden bei Raps und Wintergetreide muss man ab Temperaturen von - 15 bis -20 °C ohne Schnee rechnen. Die Winterhärte ist auch sortenabhängig.
  2. Schon eine Schneedecke von 3 bis 5 cm kann die Pflanzen schützen und die Schadensschwelle um bis zu 10 °C herabsetzen.
  3. Plötzliche Kaltlufteinbrüche auf nicht abgehärtete Pflanzen erhöhen die Auswinterungsgefahr erheblich.
  4. Starke Winde während einer Kälteperiode können zur Frosttrocknis führen (die Pflanzen vertrocknen, weil sie aus dem gefrorenen Boden kein Wasser bekommen und der starke Wind die letzte Feuchtigkeit aus den Blättern holt).
  5. Natürlich spielt auch die Entwicklung der Pflanzen eine wichtige Rolle. Schwache und sehr üppig entwickelte Bestände sind wesentlich empfindlicher als normal entwickelte.
Wie ist die Situation bisher in diesem Winter? Um das besser einschätzen zu können, habe ich im untenstehenden Diagramm die Situation dieses Jahr mit der aus den Wintern 2011/12 und 2013/14 verglichen: 2016-01-07 10_37_08-Microsoft Excel - klima_Tageswerte-Schwerin_18900101_20141231_04625.xlsx Wir sehen, dass wir mit Tiefsttemperaturen von - 11°C direkt überm Erdboden (Wetterstation Schwerin - in Greifswald waren es dagegen schon - 15 °C) fast an den Kälteeinbruch Ende Januar 2014 heranreichen. Im Januar 2014 war die Situation ähnlich wie dieses Jahr. Vor dem nur 3 Tage andauernden Kälteeinbruch (ebenfalls Kahlfrost) waren die Temperaturen recht mild und die Pflanzen wenig abgehärtet. Die Aussaat im Herbst 2013 war überwiegend zeitig erfolgt und die Bestände durch einen milden Herbst teilweise üppiger entwickelt als dieses Jahr. Die Folgen dieses plötzlichen Kälteeinbruchs hielten sich an der Schmerzgrenze: Einige wenige , sehr üppig entwickelte Weizenschläge der Sorte Dekan zeigten deutliche Auswinterungsschäden - sie waren stark ausgedünnt und ergrünten nur sehr zögerlich wieder. Aufgrund des günstigen Witterungsverlaufes im Frühjahr 2014 betrug die Ertragsminderung auf diesen Schlägen jedoch am Ende nur ca. 20 dt/ha. Das hatte im März 2014 wesentlich schlimmer ausgesehen (siehe Foto unten):
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WW Dekan (Aussaat 8. Sept. 2013) im März 2014 mit starken Auswinterungsschäden

    Die Kältewelle von Anfang Februar 2012 mit Tiefsttemperaturen von - 25 °C am Boden  hatte da schon ernstere Folgen. In vielen Teilen Deutschlands lag zu dieser Zeit kein Schnee, und es kam auf ca. 15 % der Getreide- und ca. 10 % der Rapsfläche zu starken Auswinterungsschäden. Westmecklenburg hatte damals Glück: Hier lagen zu dieser Zeit 3 - 5 cm Schnee, die ausreichten, um die Feldkulturen vor Schäden zu bewahren. Fazit: Noch dürfte in den meisten Gebieten Deutschlands alles im grünen Bereich sein. Kritisch wird es ganz im Nordosten, wo die Temperaturen am Erdboden - 15°C unterschritten haben und ganz sicher in weiten Teilen Polens, der Ukraine und Russlands, wo nach einem milden Dezember ohne Schnee die Temperaturen am Boden  auf unter - 20 ° C gefallen sind.

2 Kommentare:

  1. Schuster, Manfred

    Hallo Frau Oldenburg!
    Interessanter Beitrag, danke! Der späte Weizen bei mir auf den Kuppen sieht schon ganz schön lädiert aus. Aber sonst denke ich schon das der Rest noch in Ordnung ist. Ich wünsche Ihnen ein schönes neues Jahr!
    VG Manfred Schuster

  2. Ja, der Artikel ist sehr aufschlußreich. Leider sagt der WB für den 16./17. Januar Temperaturen bis – 15 Grad an. Das sind dann am Erdboden bestimmt – 20. :(( Na, Hoffentlich geht das gut!

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