Das war die Ernte 2008

Nun ist auch die Ernte 2008 Geschichte. Der letzte Winterweizen in der Region wurde am vorigen Wochenende gedroschen. Es war wieder mal ein sehr wechselhaftes Jahr voller Wetterkapriolen gewesen: die Aussaat im Herbst 2007 erfolgte bei Wintergerste und Raps zum Teil unter grenzwertig nassen Bedingungen, so dass ein Teil der Schläge bis zur Ernte unter starken Strukturschäden litt.  Obwohl der Herbst temperaturmäßig im langjährigen Durchschnitt lag, entwickelten sich diese Bestände bis zum Winter nur verzögert. Dazu kamen beim Raps oft starke Beeinträchtigungen durch clomazonehaltige Herbizide. Am besten kam der Weizen mit den Bedingungen des letzten Herbstes zurecht.
Clomazoneschäden am Raps im Herbst 2007
Foto: Clomazoneschäden am Raps im Herbst 2007. Links: 2,5 l/ha Nimbus, rechts: unbehandelt
 
Glücklicherweise folgte diesem Herbst ein sehr milder Winter mit überdurchschnittlichen Dezember- bis Februartemperaturen, so dass sich das Wachstum der Winterkulturen auch während dieser Wintermonate fortsetzen konnte.
 
Temperaturverlauf von Septmber 2007 bis August 2008 im Vergleich zum langjährigen Mittel
Diagramm: Temperaturverlauf von September 2007 bis August 2008 im Vergleich zum langjährigen Mittel (1961 – 1990) (Daten: DWD, Wetterstation Schwerin)
 
Mit Beginn der Frühjahrssaison standen somit überwiegend gute Bestände im Feld – nicht überwachsen und auch nicht zu schwach. Das Frühjahr 2008 gestaltete sich bis Ende April relativ nass, um dann ab Anfang Mai ins Gegenteil – extreme Trockenheit bis Ende Juni – umzuschlagen. Für die Bestände auf den leichten Böden war die Trockenheit tödlich, aber auf den besseren Standorten um ca. 50 Bodenpunkte, bei guter Wasserführung und Bestellung auch etwas darunter, überstanden Raps und Getreide die lange Trockenphase erstaunlicherweise ohne ernsthafte Schäden. Das spiegelte sich dann auch sehr deutlich in den Erträgen wider: Während auf den leichten Sandböden nur noch 35 bis 50 dt/ha Wintergerste und Roggen geerntet wurden, lagen die Erträge auf den besseren Böden überdurchschnittlich gut zwischen 85 und über 100 dt/ha. Dabei stach vor allem die Sorte Lomerit noch deutlicher als in den Vorjahren als beste Sorte hervor. Ähnlich ging es dann bei Raps und Winterweizen weiter: In vielen Betrieben wurden trotz ungünstiger Bedingungen im Herbst 45 bis über 50 dt/ha Raps geerntet und auch beim Weizen lagen die Durchschnittserträge auf den besseren Böden zwischen 85 und über 100 dt/ha. Einziger Wermutstropfen beim Winterweizen waren nicht selten niedrige Proteingehalte unter 12 %, die teils aus dem „Verdünnungseffekt“ aufgrund der hohen Erträge resultierten und teils daraus, dass die letzte N-Gabe aufgrund der Trockenheit nicht voll zur Wirkung kam. Trotzdem hatte  mit diesen hohen Erträgen nach der langen Trockenperiode ganz sicher niemand gerechnet! Leider hat die Sommerung die lange Trockenperiode im Mai/Juni aufgrund ihrer schwachen Wurzelentwicklung nicht so gut abgekonnt und nur sehr mäßige Erträge gebracht. Da der Sommergetreideanbau aber in der Region nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist das glücklicherweise für die allermeisten Landwirte von geringerer Bedeutung.
 
Ja, und wo liegen denn nun die Ursachen für diese hohen Erträge auf den besseren Böden? Ich denke, folgende Faktoren hatten in diesem Jahr einen entscheidenden Einfluss  auf die positive Ertragsentwicklung:
  •  der milde Winter ohne wesentliche Unterbrechung der Vegetationszeit (siehe Temperaturdiagramm oben)
  •  der geringe Krankheits- und Schädlingsbefall
  •  und last not least die überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden im Mai/Juni, die auf den besseren Böden mit noch ausreichender Wasserversorgung die Ertragsbildung förderten (Siehe Diagramm unten).
Sonnenscheindauer der Monate September 2007 bis August 2008 im Vergleich zum langjährigen Mittel
Diagramm: Monatliche Sonnenscheindauer in h von September 2007 bis August 2008 im Vergleich zum langjährigen Mittel (Daten; DWD, Wetterstation Schwerin)

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